Montag, 2. April 2012

01.04.2012 London, Heathrow - 6.00 Uhr


Dieses Jahr geht die Welt unter und die Tina fliegt nach Japan. Ich bin wirklich froh, dass ich das vor dem Dezember 2012 nochmal hinbekommen habe. Ich sitze seit einer halben Stunde irgendwo in Heathrow und warte darauf, dass mein Gate angezeigt wird. Der Mann aus der Dolche und Gabbana Werbung, den man hier in Dauerschleife zeigt, macht mich völlig fertig. So ein Modelmensch mit Waschbrettbauch der durch eine Ruine rennt und kein Hemd trägt. Ich verstehe den Sinn dieser Werbung nicht. So ganz generell hat man hier nur Marken-Dinge. Neben mir ist ein "Dior"-Geschäft. Man kommt sich auf so einem Flughafen immer ein bisschen vor wie in Ginza. Oder für die, die nicht wissen, was Ginza ist: Man kommt sich vor wie in einer anderen Welt. Es gibt diese super lustigen Geschäfte, in denen man Schokolade in Riesengröße kaufen kann und dann gibt es Klamotten- Uhren- Schmuck- und Taschengeschäfte, in denen man ein ganzes Jahresgehalt lassen kann. Ich wundere mich jedesmal wer da einkauft. Ich hab in meinem Leben noch nie gedacht: "Wo ich grad am Flughafen in London bin, sollte ich mir jetzt und nur jetzt eine neue Halskette kaufen. Das wärs!"
Die Uhr meines Computers zeigt 7.00 Uhr an, weil zwischen Deutschland und London eine Stunde Zeitverschiebung besteht. Ich bin froh, dass ich die Nacht hinter mir habe. Ich habe gefühlte 30 Minuten geschlafen, bin aber irgendwie wach. Mit 20 Minuten Verspätung bin ich gegen 20.25 Uhr von Berlin Tegel losgeflogen. Der Flug bis London dauerte 2 Stunden. Nach der Ankunft musste ich herausfinden, wo ich am Flughafen übernachten konnte. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so viele Leute innerhalb einer Stunde nach dem Weg gefragt. Ich musste mich von Terminal 5 zu Terminal 1 durchkämpfen, in dessen Lounge man übernachten konnte, um dann am nächsten Morgen mit demselben Bus zum Terminal 5 zurückzufahren. Es hat auch so circa eine Stunde gedauert bis ich dort war. Ich war so ziemlich die einzige, die in dem Bus saß. Bei Terminal 1 angekommen kamen aus jeder Richtung noch andere Leute. Die meisten legten sich hin, setzten sich, um ein Buch zu lesen oder um sinnlos auf den Fernseher-Bildschirm zu starren. Ein oder zwei Stunden später, als ich mich auch zum ersten Mal hingelegt hatte, kamen zwei Flughafenpersonal-Menschen vorbei und haben uns in einen Raum verfrachtet, der noch weiter weg vom Busterminal lag. Ich war mir echt nicht sicher, ob ich den Weg zurück finden würde. Ich musste auch noch nie in meinem Leben mit so vielen Leuten Englisch reden, um herauszufinden, was gerade geschah oder wie ich durch welche Tür kam.
Um Mal einen Vergleich zu wagen: Dieser Flughafen ist wie eine Großstadtmetropole. Berlin Tegel ist dagegen nur ein winziges Dorf. In London kann man sich echt verlaufen. In Berlin geht man im Kreis und kommt am Anfang wieder an, in circa 10 Minuten. In London kann man dagegen auch mal 10 Minuten mit einem Bus unterwegs sein um von A nach B zu kommen.
Jedenfalls habe ich nicht geschlafen. Die Bänke waren unbequem, der Fernseher war die ganze Zeit an und das Licht auch. Außerdem war es super kalt und ich hatte keine britischen Pfund, um mir etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen. Das Internet funktioniert hier auch nicht. Entweder man setzt sich an einen separaten Computer, an dem man für das Internet bezahlen muss, oder man legt sich für den eigenen Laptop ein Passwort zu und meldet sich damit auf der entsprechenden Seite an. Weil mir das für den Moment alles zu kompliziert ist, sitze ich lieber hier rum und habe ein schlechtes Gewissen, weil meine Mama auf eine Nachricht wartet.
Durch die wichtigsten Kontrollen bin ich jetzt durch und warte darauf, dass ich zu meinem Gate gehen kann und in mein Flugzeug einsteigen kann. In ein paar Stunden sitze ich dann in meinem Flug nach Japan. So richtig glauben kann ich es immer noch nicht. Ich freue mich auf das Essen, die Filme und die Musik, die ich mir hoffentlich anhören kann. Ganz nebenbei habe ich vorhin herausgefunden, dass man am Flughafen auch in Euro bezahlen kann. Man bekommt dann allerdings Pfund zurück. Die Sonne geht jetzt langsam auf. Die Nacht ist wirklich langsam vergangen. Ich habe das Gefühl schon seit Tagen auf diesem Flughafen "abzuhängen". Deswegen vermisse ich auch meinen Kamm die ganze Zeit und sehe langsam ein bisschen verwahrlost aus.

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