Sonntag, 22. April 2012

Kawagoe

Die schwarzen Häuser in Kawagoe.

Der berühmte Turm in Kawagoe.
Außerdem ist das die Straße ohne Stromleitungen.

Es gab überall diese Dekoration. Das sind Bonbons.
Aber warum man das macht konnte mir keiner erklären.

Koi-Karpfen.

Und: Eine japanische Katze, ohne Schwanz.



Mittwoch, 18. April 2012

19.04.2012 Kawagoe, Gastfamilie - 00.27 Uhr

Mitternacht. Ich bin gerade von einem gemütlichen Izakaya-Abend mit Freunden in Ikebukuro nach Hause gekommen. Die Katze meiner Gastfamilie hüpft vor meiner Tür herum. Alle anderen schlafen natürlich schon, weil sie zur Arbeit oder Schule müssen. Seito ist jetzt im ersten Jahr der Grundschule und muss eine Stunde früher als sonst losgehen. Im Moment sieht mein Wochenplan so aus, dass ich in der Woche zum Mita-Campus gehe, um meine Forschungsmaterialien zu lesen. Am Dienstag fahre ich zum SFC um als TA (Teacher Assistant) zu arbeiten und um mein Praktikum zu absolvieren. An den Wochenenden bin ich meistens mit Freunden unterwegs. Aber ich glaube ich werde demnächst mehr Zeit fürs Schlafen einplanen müssen. Ich verbringe tatsächlich viel zu viel Zeit in der Bahn. Am Dienstag sind es bis zum SFC hin und zurück fast 5 Stunden. Ich habe schon ein komplettes Buch und zwei Mangas in der Bahn gelesen. Jetzt kann ich mittlerweile auch schon im Stehen lesen! Ich habe mich total angepasst. Meine persönliche Bilanz: Bisher war ich schon zwei Mal beim Hanami, einmal im Karaoke, zwei Mal beim Purikura machen und einmal im Izakaya. Und ich habe den Tokyo Tower wieder gesehen. Da könnte man fast sagen "Jetzt kann ich glücklich sterben." Aber dazu fehlt mir noch der Sonnenuntergang auf dem Fuji-san.

Gestern war ich wieder beim SFC und habe Frau Waragai zum ersten Mal beim Unterricht geholfen. Bisher habe ich noch nicht viel selber gemacht. Ich bewache die Studenten beim Test Schreiben und bewerte dann die Tests. Das ist allerdings eher eine Aufgabe, die ich ungern mache. Wo ich doch selber genau weiß, wie schwer es ist eine Sprache zu lernen und wie enttäuscht man sein kann, wenn man mal ein schlechtes Testergebnis hat. Nächste Woche muss ich die Tests für die Studenten kommentieren. Das passiert zwar alles auf Deutsch, aber ich hoffe, dass sie meine Erklärungen verstehen. Das ist meine Arbeit als TA. Zusätzlich mache ich noch mein Praktikum. Weil ich sowieso am Dienstag da bin, mache ich das am Dienstag. Ich muss mich also in den Unterricht setzten, zuschauen und Notizen machen. Ab Mai werde ich dann meinen eigenen Unterricht geben müssen. Bis nächste Woche soll ich mir schon mal überlegen was ich machen will. Ich hab noch überhaupt keine Ahnung. Aber zumindest wird das Ganze hier eine ziemlich vielseitige Erfahrung. Dazu kommt noch der Aufenthalt bei meiner Gastfamilie. Da lernt man auch jeden Tag so einiges über Japan und die Welt. Meine Gasteltern haben auch schon mal in Amerika gelebt und haben generell eine Menge zu erzählen.

Sonntag, 15. April 2012

Hanami

Das hat meine Gastfamilie in ihrem Wohnzimmer aufgestellt.
Als Schmuck für das japanische Jungenfest am 5. Mai.

Heute waren wir im Shinjuku Park und
haben uns die Kirschblüten angeschaut.

Die Kirschblüten sind mittlerweile fast alle auf den
Boden gefallen - das sieht aus wie ein rosa Teppich!








Sonntag, 8. April 2012

Hanami

Hanami - Hana wo miru - Kirschblütenschau





Die neueste Erkenntnis - Beim Hanami wird hauptsächlich getrunken!
Es gab nicht mal Schokobananen. Fast nur Sekt! Es war so seltsam.

Ich glaube ihr wisst warum ich dieses Foto hochgestellt habe.
In diesem Land war es einfach unvermeidlich: Ich kaufe etwas und bekomme eine
kleine süße Tasche auf der in gedruckten Großbuchstaben "PINK" draufsteht!
Beihnahe hätte ich vergessen, das Herz zu erwähnen. Aber ihr seht es ja!

Jenny, Zen und das Zigaretten-Vogel-Pokemon.

Samstag, 7. April 2012

07.04.2012 Kawagoe, Gastfamilie - 19.00 Uhr

Die neue Austauschstudentin ist angekommen: Jessica. Sie kommt aus Amerika, Tennessee, und ist zum ersten Mal in Japan. Sie geht auf die Tokyo International School, die laut meinen Gasteltern hier ganz in der Nähe sein muss. (Ich weiß nicht so ganz ob ich das glauben soll.) Für mich bedeutet das jetzt im Großen und Ganzen nur, dass ich mit allen drei Sprachen die ich spreche, wieder mächtig durcheinander kommen werde. Ich wollte vorhin schon mit "Ja" antworten, als mir plötzlich einfiel, dass gerade das keiner versteht! Im Moment ist meine Familie gerade im Wohnzimmer und spielt Nintedo Wii. Das war auch das erste was ich gemacht habe, als ich hier angekommen bin, weil zu dieser Zeit, wie gesagt, nur Seito da war. Zum Abendessen und Frühstück gibt es jeden Tag etwas anderes. Meine Gastmutter gibt sich wahnsinnige Mühe mit dem Essen. Zum Frühstück gab es heute zum Beispiel Pfannkuchen.
In den letzten Tagen bin ich auf der Suche nach allen möglichen Dingen durch Tokyo geirrt. Und ich meine auch "geirrt". Deswegen habe ich mir heute einen Tag Auszeit gegönnt, bin einkaufen gegangen und habe mir den Tokyo Tower angeschaut. Außerdem habe ich meine alte Uni, die Waseda, besucht. Ich habe fast alles wiedererkannt. Es ist fast so, als wenn ich nie von dort weggezogen wäre. Ab der nächsten Woche werde ich wohl jeden Tag in der Bibliothek des Mita-Campus zu finden sein. Das ist der nächste Campus für mich. Jetzt habe ich tatsächlich drei Campusse der Keio-Universität in einer einzigen Woche gesehen. Ab der nächsten Woche bin ich jeden Dienstag am SFC. Ich weiß noch nicht was ich dort mache. Es sieht so aus als wenn man mich als Hilfskraft einsetzt - auch TA genannt. Ich weiß noch nicht wofür TA steht. Heute gibt es dann endlich die ersten Fotos von meiner Rundreise durch Tokyo. Ich habe es endlich geschafft "Blade of the Immortal Band 24" zu kaufen. Es hat ein halbes Jahr gedauert! Und Band 29 ist auch schon da. Beim Lesen habe ich nur leider wieder festgestellt, dass "historischer Manga" und "Umgangssprache" keine sinnvolle Kombination ist. Ich dachte, mittlerweile könnte ich das lesen, aber Pustekuchen. Die Bücher für mein Forschungsthema sind einfacher! So, nun dürft ihr euch ein paar Fotos anschauen. Morgen gehe ich mit Jenny zum hanami und werde zu hundert Prozent noch mehr hochladen.

Kawagoe

 
Das ist das Haus meiner Gasteltern.
 
 
Ein Gedicht von Kitahara Hakushu, einem japanischen Lyriker.




Waseda-Universität (Das Gebäude für die Austauschstudenten)
Keio-Universität, Mita-Campus, Osteingang
Keio-Universität, Mita-Campus, Haupteingang

 
Mein Lieblingsort in Tokyo: Der Tokyo Tower!


Mittwoch, 4. April 2012

04.04.2012 Kawagoe, Gastfamilie - 18.07 Uhr

Irgendwie ist heute nicht viel passiert und irgendwie doch. Ich habe ein Handy! Ein Prepaid-Handy! Es ist unglaublich. Es hat also tatsächlich funktioniert. Man braucht, wenn man denn den richtigen Laden erwischt (Softbank), keine ARC (Alien Registration Card). Stattdessen den deutschen Reisepass, die derzeitige Adresse und eine Festnetznummer. Außerdem wollten sie von mir meine deutsche Adresse wissen. Ich weiß nicht genau wie man das machen soll, wenn man gerade keine Wohnung in Deutschland hat, weil man in Japan wohnt. Aber da lässt sich sicher was finden. (Mir ist auch nicht klar, wozu sie diese Adresse brauchen. Aber ich habe auch nicht weiter nachgefragt.)

Als nächstes dann der Studentenausweiß, auf dem ganz groß "Shonan Fujisawa Campus" steht: Er funktioniert in jeder Bibliothek. Ich war also heute am Hiyoshi-Campus, weil dort meine Bücher stehen. Ich habe es tatsächlich geschafft die Inhaltsverzeichnisse aller Bücher (13 von 15 waren da) durchzuarbeiten, einen Teil zu kopieren und den Rest auszuleihen. Das ist doch mal was. Jetzt muss ich nur noch alles lesen! Man kann zwar nicht jeden Computer benutzen, aber die, die gleich am Eingang stehen, funktionieren ohne Passwort und man hat Zugang zum OPAC der Keio.

Mir ist noch nie so deutlich aufgefallen wie jetzt, dass ich eigentlich viel größer bin als die meisten Japaner. Ich bin sogar größer als ein paar der Männer hier. Außerdem ist mir auch noch nie so deutlich aufgefallen, dass Japaner sich nicht die Nase putzen. Was hab ich beim letzten Mal eigentlich in Japan gemacht? War ich überhaupt in Japan? Mal abgesehen davon, wollte ich noch festhalten, dass ich jeden Morgen Miso-Suppe zum Frühstück bekomme. Das ist so ungewohnt für mich. Es ist schön wieder japanisches Essen zu sehen und vor allem auch zu essen, aber in meiner Gastfamilie geht es gleich ganz traditionell zu. Meine Gastmutter gibt sich wirklich Mühe. Diese Woche kommt noch eine Studentin hier an. Sie kommt aus Amerika und studiert an einer Uni, die hier ganz in der Nähe sein muss. Wir teilen uns aber, und da bin ich irgendwie froh, nicht dasselbe Zimmer.
 
PS: Ich höre irgendwann auf jeden Tag zu schreiben. Aber im Moment macht das so einen Spass hier wieder alles zu entdecken, da kann ich einfach nicht anders.

Dienstag, 3. April 2012

03.04.2012 Kawagoe, Gastfamilie - 16.17 Uhr

Eigentlich wollte ich heute noch irgendetwas machen: Bücher suchen, Handy kaufen, Nadine treffen. Aber im Moment scheint ein Taifun im Anmarsch zu sein. Ich schaue gerade aus dem Fenster und Wind und Regen werden von Minute zu Minute stärker. Wer möchte da schon freiwillig aus dem Haus gehen, wenn man doch auch darauf warten kann, dass es wieder sonnig und warm wird?

In der Zwischenzeit habe ich allerdings ein paar Dinge herausgefunden, über die ich kurz berichten möchte. Ich habe (vielleicht) herausgefunden, wie man ein Prepaid-Handy in Japan kauft. Erst dachte ich ja, dass man sich da wieder einen Scherz erlaubt hat. Ich habe zum Beispiel gehört und auch im Internet gelesen, dass man für ein Prepaid-Handy eine ARC (Alien Registration Card) benötigt, die man nur bekommt wenn man länger als drei Monate in Japan ist. Warum bekommt man denn für drei oder weniger Monate nur ein Handy mit Vertrag? Das kam mir so typisch Japanisch vor, dass ich es erstmal geglaubt habe. (Ist das jetzt traurig oder was ?) Aber (und wehe wenn nicht) ich habe außerdem gelesen, dass man bei Softbank (mein Held !) ein Prepaid-Handy mit dem deutschen Pass und einer japanischen Festnetznummer bekommt. Da bin ich erstmal fein raus. Ich werde euch dann berichten, ob es tatsächlich funktioniert hat, oder ob sich meine erste Annahme bestätigt und Japaner manchmal sehr viel sinnloses Zeug machen.

Heut Vormittag bin ich zum SFC gefahren und habe meinen Studentenausweis bekommen. Was ich noch nicht genau weiß ist, ob ich ihn auch an anderen (Mehrzahl von Campus) verwenden kann oder nicht. Eigentlich müsste es gehen, aber jeder, den ich heute etwas gefragt habe, hat mir Folgendes geantwortet: "Mmh ... vielleicht, da musst du noch mal an dem Campus soundso fragen." Egal worum es ging. Ich bekam immer die gleiche Antwort. Morgen werde ich zum Hiyoshi und/ oder Mita-Campus fahren, um herauszufinden, ob die Karte dort funktioniert und was ich tun muss wenn nicht. Auch auf meine Frage nach dem Internetzugang gab man mir nur das Passwort für das Zimmer 410 (Ein eigenes Zimmer mit einem eigenen Internetzugang. Das begreif ich auch nicht. EIN ZIMMER!). Für den restlichen SFC-Campus gäbe es ein anderes Passwort, das man aber gerade nicht wüsste. Für die anderen (Mehrzahl von Campus) gäbe es auch andere Passwörter, nach denen ich an dem entsprechenden Campus nochmal fragen müsse. Auch für das Passwort für den Internet-Zugang in der Bibliothek, solle ich mich noch einmal separat erkundigen. Ich weiß gar nicht, was da nun eigentlich passiert ist. Aber das macht nichts, ich habe die Karte und eine Ausrede warum ich heute nicht noch einmal vor die Tür treten werde: Taifun!

03.04.2012 Keio-Universität, SFC (Shonan Fujisawa Campus) - 9.37 Uhr

Es ist kälter in Japan als ich gedacht habe. Es wäre eine gute Idee gewesen, noch einen Pullover einzupacken. Um 10 Uhr habe ich einen Termin bei meinen Betreuern in Raum 410. Gestern ist mir aufgefallen, dass der SFC Campus aus mehr als einem Gebäude bestehen könnte. Daher habe ich mich gefragt, wie lange es wohl dauern wird, bis ich diesen ominösen Raum gefunden habe. Aber ich war gut. Ich habe sogar noch 20 Minuten Zeit bis ich dort sein muss.
Es ist ein bisschen Schade, dass ich keine Kamera dabei habe, weil der SFC wieder erwarten wunderschön ist. Ganz nebenbei, habe ich in Tokyo bisher mehr Bäume gesehen, als erwartet. Den SFC habe ich mir nach den Erzählungen eher von Feldern und Kühen umgeben vorgestellt. Es gibt hier viel Natur, aber Felder und Kühe habe ich bisher noch nicht gesehen. Dieser Kampus ist soweit weg von der Innenstadt und trotzdem ist er so groß wie eine eigene kleine Stadt. Ich habe eine Karte bekommen, auf der man mir das Gebäude zeigte, zu dem ich laufen soll. Übrigens fällt es auch gar nicht so sehr auf, dass ich fast 2 Stunden unterwegs bin, um zu diesem Kampus zu kommen. Viel auffälliger ist, dass ich nur circa 10 Minuten in diesen 2 Stunden saß. Es empfiehlt sich jedenfalls nicht gegen 7 Uhr früh durch die Innenstadt von Tokyo zu fahren. Ich hoffe, dass das die Rush-Hour war und ich auf meinem Rückweg in der Bahn wenigstens normal stehen kann. (Definition: Rush-Hour ist etwas, bei dem man in einer Bahn steht, sich nicht bewegen kann, vielleicht auch nicht atmen kann, sich nicht festhalten muss, weil man von circa 10  umstehenden Personen gestützt wird und hin und her geschaukelt wird. Sehr angenehm.) Damit hat sich wohl auch meine Hoffnung zerschlagen, dass ich in den 2 Stunden in der Bahn ein Buch oder einen Text lesen kann. Aus der Traum. Erwacht in der kalten Realität in Tokyo.
Um zum SFC zu fahren steigt man am besten in Shinjuku oder Ikebukuro in die Shonan Shinjuku Line und fährt mit ihr bis Totsuka. Dort steigt man in die Blue Line um. Die ist sehr leicht zu finden: Sie ist blau! Obwohl sie nur auf Japanisch ausgeschildert war, habe ich sie sofort erkannt. Von Totsuka fährt man bis Shonandai und sucht dort Ausgang B. Man läuft dann den jungen Leuten hinterher, die alle am SFC studieren und stellt sich in eine Schlage an deren Ende (circa 300 Meter entfernt) eine Bushaltestelle zu sein scheint. Wenn es die richtige Haltestelle war, an der man sich angestellt hat, kann man in den Bus einsteigen, der einen in 12 Minuten zur Keio-Universität fährt. Jetzt sitze ich hier am SFC im Gebäude 8 von über 20 und warte darauf, dass es 10 Uhr wird.

Montag, 2. April 2012

02.04.2012 Kawagoe, Gastfamilie - 13.38 Uhr


Jetzt bin ich angekommen und grundlegend erstmal todmüde. Aber ich darf noch nicht schlafen. Ich bin ein bisschen zu früh bei meiner Gastfamilie angekommen und musste mich circa drei bis vier Stunden mit dem Gastfamilien-Kind beschäftigen. Der Junge hat jetzt Besuch von seinem Freund und nun passe ich gleich auf beide auf. Das ist noch besser als nur auf einen aufzupassen. Aber wenigstens muss ich nichts tun. Ich wäre einfach zu müde, um irgendwas zu tun. Meine Gastmutter war zwischendurch da, hat wieder in aller Eile alles erledigt und mich über meine Pflichten und Rechte aufgeklärt und ist wieder zur Arbeit verschwunden. Ich hoffe, dass sie bald wieder da ist, weil ich mich dann hinlegen kann. Ich schlaf nämlich gleich ein beim Schreiben. Der Flug nach Japan war unspektakulär. Ich saß zwischen einer Japanerin und einem Spanier. Der Spanier saß getrennt von seiner Frau. Diese kam jede Stunde vorbei um mit ihm Kaffeekränzchen zu halten. Meine Beschäftigung während des Fluges bestand aus Film schauen, Musik hören, Schreiben und Schlafen. Besonders gut war die Auswahl an Filmen diesmal nicht. Über das, was sie unter "Musik" klassifiziert haben, traue ich mich gar nicht zu reden.

Zu meiner Erleichterung habe ich festgestellt, dass ich noch Japanisch kann. Immer noch besser als Englisch. 4.55 Uhr bin ich am Haneda-Flughafen angekommen. Früher bin ich immer vom und zum Narita-Flughafen geflogen.  Eigentlich sehen beide gleich aus. Die Strecke die man vom Haneda-Flughafen Richtung Innenstadt fährt ist allerdings schöner. Ich habe halb Tokyo gesehen, als ich in die Innenstadt gefahren bin. Ich habe mich so gefühlt, als wenn ich die letzten drei Jahre nichts anderes getan hätte, als mit der Straßenbahn in Tokyo zu fahren. Ich komme mir kein bisschen fremd vor, obwohl mir die Blicke, die man als Ausländer abfängt, nicht entgehen. Auch bei meiner Gastfamilie fühle ich mich gut aufgehoben. Mein Zimmer hat nichts weiter als ein Bett. Aber ich werde sowieso mehr Zeit in der Bibliothek oder woanders verbringen, als auf meinem Zimmer.

Mein Drucker hat sich beim Ausdrucken der Karte, auf der das Haus meiner Gasteltern verzeichnet ist, wieder mal sehr viel Mühe gegeben. Ich konnte zwar die Orte lesen, aber die Straßen haben gefehlt. Mal abgesehen davon, dass in Japan zwar jeder eine Adresse hat, aber die Straßennahmen nicht ausgeschrieben sind, sodass man, allein mit der Adresse einen Ort nicht finden kann. Ich bin allerdings zu müde, um mich in ironischer Weise über das Phänomen japanischer Straßennahmen und Hausnummern zu äußern. Ich hab fast geheult, weil ich weder ein Handy, noch Internet, noch Zivilisation in meiner Nähe hatte. Kawagoe ist zwar immer noch Tokyo, aber man kann seine Menschendichte nicht mit der Innenstadt vergleichen. Ich habe gefühlte zwei Stunden nach dem Haus gesucht, in einer Gegend in der jedes Haus, jeder Baum und jeder Parkplatz gleich aussehen. Und dann hieß es ja auch, meine Gastfamilie habe ihr Haus "neu gemacht". Ich hab mich heute erst gefragt, wie es dann nun wohl aussieht. Als ich dann ankam habe ich festgestellt, dass sie mit "neu machen" keineswegs übertrieben hatte. Es war alles neu. Das ganze Haus ist jetzt in einem weiß oder beige Ton gehalten, ein Stück größer als vorher und komplett anders eingerichtet. Auch die Zimmer sind anders verteilt. Es ist als ob man hier an dieselbe Stelle ein völlig neues Haus gesetzt hätte. Ich würde euch gern ein paar Fotos zeigen, aber ich muss jetzt erstmal so richtig ankommen. Wichtig wäre erstmal ein Handy zu haben. Ich bin mal gespannt, ob ich ein Prepaid-Handy finde oder ob ich mir für das Handy extra ein Konto eröffnen muss.

01.04.2012 London, Heathrow - 6.00 Uhr


Dieses Jahr geht die Welt unter und die Tina fliegt nach Japan. Ich bin wirklich froh, dass ich das vor dem Dezember 2012 nochmal hinbekommen habe. Ich sitze seit einer halben Stunde irgendwo in Heathrow und warte darauf, dass mein Gate angezeigt wird. Der Mann aus der Dolche und Gabbana Werbung, den man hier in Dauerschleife zeigt, macht mich völlig fertig. So ein Modelmensch mit Waschbrettbauch der durch eine Ruine rennt und kein Hemd trägt. Ich verstehe den Sinn dieser Werbung nicht. So ganz generell hat man hier nur Marken-Dinge. Neben mir ist ein "Dior"-Geschäft. Man kommt sich auf so einem Flughafen immer ein bisschen vor wie in Ginza. Oder für die, die nicht wissen, was Ginza ist: Man kommt sich vor wie in einer anderen Welt. Es gibt diese super lustigen Geschäfte, in denen man Schokolade in Riesengröße kaufen kann und dann gibt es Klamotten- Uhren- Schmuck- und Taschengeschäfte, in denen man ein ganzes Jahresgehalt lassen kann. Ich wundere mich jedesmal wer da einkauft. Ich hab in meinem Leben noch nie gedacht: "Wo ich grad am Flughafen in London bin, sollte ich mir jetzt und nur jetzt eine neue Halskette kaufen. Das wärs!"
Die Uhr meines Computers zeigt 7.00 Uhr an, weil zwischen Deutschland und London eine Stunde Zeitverschiebung besteht. Ich bin froh, dass ich die Nacht hinter mir habe. Ich habe gefühlte 30 Minuten geschlafen, bin aber irgendwie wach. Mit 20 Minuten Verspätung bin ich gegen 20.25 Uhr von Berlin Tegel losgeflogen. Der Flug bis London dauerte 2 Stunden. Nach der Ankunft musste ich herausfinden, wo ich am Flughafen übernachten konnte. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so viele Leute innerhalb einer Stunde nach dem Weg gefragt. Ich musste mich von Terminal 5 zu Terminal 1 durchkämpfen, in dessen Lounge man übernachten konnte, um dann am nächsten Morgen mit demselben Bus zum Terminal 5 zurückzufahren. Es hat auch so circa eine Stunde gedauert bis ich dort war. Ich war so ziemlich die einzige, die in dem Bus saß. Bei Terminal 1 angekommen kamen aus jeder Richtung noch andere Leute. Die meisten legten sich hin, setzten sich, um ein Buch zu lesen oder um sinnlos auf den Fernseher-Bildschirm zu starren. Ein oder zwei Stunden später, als ich mich auch zum ersten Mal hingelegt hatte, kamen zwei Flughafenpersonal-Menschen vorbei und haben uns in einen Raum verfrachtet, der noch weiter weg vom Busterminal lag. Ich war mir echt nicht sicher, ob ich den Weg zurück finden würde. Ich musste auch noch nie in meinem Leben mit so vielen Leuten Englisch reden, um herauszufinden, was gerade geschah oder wie ich durch welche Tür kam.
Um Mal einen Vergleich zu wagen: Dieser Flughafen ist wie eine Großstadtmetropole. Berlin Tegel ist dagegen nur ein winziges Dorf. In London kann man sich echt verlaufen. In Berlin geht man im Kreis und kommt am Anfang wieder an, in circa 10 Minuten. In London kann man dagegen auch mal 10 Minuten mit einem Bus unterwegs sein um von A nach B zu kommen.
Jedenfalls habe ich nicht geschlafen. Die Bänke waren unbequem, der Fernseher war die ganze Zeit an und das Licht auch. Außerdem war es super kalt und ich hatte keine britischen Pfund, um mir etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen. Das Internet funktioniert hier auch nicht. Entweder man setzt sich an einen separaten Computer, an dem man für das Internet bezahlen muss, oder man legt sich für den eigenen Laptop ein Passwort zu und meldet sich damit auf der entsprechenden Seite an. Weil mir das für den Moment alles zu kompliziert ist, sitze ich lieber hier rum und habe ein schlechtes Gewissen, weil meine Mama auf eine Nachricht wartet.
Durch die wichtigsten Kontrollen bin ich jetzt durch und warte darauf, dass ich zu meinem Gate gehen kann und in mein Flugzeug einsteigen kann. In ein paar Stunden sitze ich dann in meinem Flug nach Japan. So richtig glauben kann ich es immer noch nicht. Ich freue mich auf das Essen, die Filme und die Musik, die ich mir hoffentlich anhören kann. Ganz nebenbei habe ich vorhin herausgefunden, dass man am Flughafen auch in Euro bezahlen kann. Man bekommt dann allerdings Pfund zurück. Die Sonne geht jetzt langsam auf. Die Nacht ist wirklich langsam vergangen. Ich habe das Gefühl schon seit Tagen auf diesem Flughafen "abzuhängen". Deswegen vermisse ich auch meinen Kamm die ganze Zeit und sehe langsam ein bisschen verwahrlost aus.

Ich bin zurück und ich weiß was hier letzten Sommer passiert ist.





Ich weiß noch nicht, ob ich das Schreiben durchhalte, aber ich habe unterwegs und auch heute schon mal ein paar Dinge schriftlich festgehalten. Nun wo ich kein Englisch mehr studiere, statt dessen aber DaF und zusätzlich eine Karriere als Poetry Slammrin eingeschlagen habe, ist mein Deutsch ein bisschen besser geworden. Und das will ich euch auf keinen Fall vorenthalten. So richtig schöne Fotos wird es geben, wenn ich mich eingelebt habe. Jetzt bekommt ihr erstmal eine Zusammenfassung der letzten drei Tage.